Was ist Hypnose?


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Das Thema Hypnose ist eines der am meisten mißverstandenen überhaupt. Hier zunächst einige Fakten, um mit den gängigsten Vorurteilen aufzuräumen:
Was ist nun tatsächlich der Zustand der Hypnose? Es handelt sich hier um einen leichten bis starken Trancezustand, in dem der Mensch wesentlich suggestibler ist, als in seinem normalen Bewußtsein. Suggestibel bedeutet, daß er wesentlich empfänglicher für Suggestionen ist, also für die, nennen wir es »Eingebungen«, des Hypnotiseurs. Das geht so weit, daß der Hypnotiseur das Unterbewußsein direkt ansprechen kann. Er kann also Ergebnisse produzieren, die wesentlich über die Fähigkeiten der hypnotisierten Person im Wachzustand hinausgehen.

Nun ist dieser Zustand aber keineswegs etwas Unnatürliches, das nur künstlich herbeigeführt werden kann. Jeder Mensch ist sogar recht oft in »Hypnose«: Zum Beispiel jeden Morgen, wenn man sich verschlafen aus dem Bett rollt. Wir befinden uns dann in einem Zustand zwischen Wachbewußtsein und Schlaf. Das Gehirn sendet in diesem Bereich sogenannte Alphawellen aus - Wellen mit einer Frequenz zwischen 8 und 14 Hertz. Dies ist genau der Zustand, der auch unter Hypnose normalerweise erreicht wird. Im Bereich der Delta- und Thetawellen (unter 8 Hz) befinden wir uns im natürlichen Schlaf oder (bei sehr geringer Fequenz) im Koma. Dieser Bereich kann durch Hypnose nur in sehr seltenen Fällen erreicht werden, da dazu ein extremes Stadium der Tiefenhypnose notwendig ist.

Die Tiefe der Hypnose kann grob in 3 Stufen eingeteilt werden:

Tatsächlich sind diese Zustände aber nicht deutlich voneinander getrennt; die Übergänge sind fließend. So kann sich der Hypnotisierte zum Beispiel häufig nur an einen Teil der Sitzung nicht erinnern.
Wie aber sieht es nun mit der Macht des Hypnotiseurs über seinen Klienten aus?

Klar ist: Die Kritikfähigkeit des Hypnotisierten ist stark herabgesetzt. Das bedeutet, daß er gerade in Tiefenhypnose durchaus Anweisungen ausführt, die vollkommen sinnlos sind oder Dinge tut, die er sich im Wachbewußtsein nicht einmal vorstellen könnte.

Vollkommen falsch und von der Sensationspresse oder Gewaltfilmen erfunden ist aber die Behauptung, man könne einen Menschen durch Hypnose beispielsweise dazu bringen, einen anderen umzubringen.

Suggestionen, die persönlichkeitsfremd sind, werden nicht ausgführt, wie tief der Hypnosezustand auch sein mag! Hypnose kann niemanden zwingen, eine bestimmte Tat auszuführen. Tatsächlich wird durch Suggestionen nur ein starker Wunsch erzeugt. Dieser kann so extrem sein, daß ungewöhnliche oder sinnlose Dinge ausgeführt werden; der Mensch hat jedoch durch die ihm eigene Ethik immer noch selbst die Kontrolle über die Frage des Ausführens oder nicht Ausführens.

Im Klartext:

Zusätzlich ist noch anzumerken, daß es nicht möglich ist, jemanden gegen seinen Willen zu hypnotisieren (siehe auch Wie funktioniert Hypnose?). Der Klient muß mitarbeiten, sonst hat der Hypnotiseur normalerweise keine Chance. Normalerweise heißt: Es gibt durchaus Möglichkeiten (z.B. im Schlaf oder durch Blitzhypnose), einen Menschen zu hypnotisieren, ohne daß er es zunächst merkt. Sobald er sich aber gegen die Einflußnahme wehrt, ist jeder Versuch umsonst.

Als mächtiges Mittel zur Beeinflussung des Unterbewußtseins kann Hypnose aber natürlich auch mißbraucht werden. Um ein Beispiel zu nennen: Zwar wird es kaum möglich sein, einen Hypnotisierten zur Herausgabe all seines Geldes zu zwingen, wohl aber, ihn horrende Sitzungsgebühren für angemessen halten zu lassen. Auf derartigen Umwegen haben Scharlatane natürlich große Möglichkeiten.

Deshalb: Wer Hypnotherapie für sich selbst in Erwägung zieht, sollte in jedem Falle einen Arzt seines Vertrauens auswählen. Denn trotz allem sind ideenreichem Mißbrauch wenig Grenzen gesetzt.


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© 1996-2009 Christian Drechsler (hypnose@zottel.net)