Was ist in Hypnose möglich?


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Was geschieht nun wirklich in der Hypnose?

Das allgemeine Erklärungsschema sagt, daß der Hypnotiseur einen direkten Zugang zum Unterbewußtsein seines Klienten besitzt. Dadurch können auf unterster Ebene im Wesen des Menschen Veränderungen vorgenommen werden. Dieser Kontakt ist derart direkt, daß selbst Dinge möglich sind, die im Wachzustand vollkommen lächerlich oder gar unmöglich sind.

Nach meiner Erfahrung werden dabei durch Suggestionen extrem starke Wünsche erzeugt. Das bedeutet, daß zunächst einmal den Anweisungen des Hypnotiseurs strikt Folge geleistet wird, da ein großer Wunsch dazu erzeugt wird. Weiterhin handelt es sich aber offenbar geradezu um ein Bedürfnis, da auch wesentlich tiefer eingreifende Suggestionen vom Unterbewußtsein ausgeführt werden; Suggestionen, die auszuführen der Hypnotisierte im Wachzustand gar nicht fähig wäre. Rein objektiv muß es sich also tatsächlich um direkte Bedürfnisse im Unterbewußtsein handeln, das zu Taten in der Lage ist, die die Grenzen des Wachbewußtseins weit überschreiten.

Interessant ist weiterhin, daß das Unterbewußtsein die gegebenen Suggestionen gewissermaßen übersetzt. Möchte der Hypnotiseur beispielsweise Fettleibigkeit behandeln, so muß er dazu nicht in der Lage sein, die zum Abspecken nötigen Vorgänge während der Sitzung zu nennen. Er gibt lediglich Suggestionen zu allgemeinem Gewichtsverlust und/oder Appetitlosigkeit, und das Unterbewußtsein sorgt für die nötigen Schritte zur Umsetzung. Dieser Umstand erleichtert die Hypnotherapie erheblich.

Gleichzeitig stellt er aber auch eine Gefahr dar: Unvorsichtig formulierte Suggestionen können zu unvorhersehbaren Ergebnissen führen, zumal sie recht bedingungslos ausgeführt werden. So kann, um beim Beispiel der Fettleibigkeit zu bleiben, der Nebensatz »...um Ihren häßlich fetten Körper zu behandeln...« den Patienten in tiefe Depressionen stürzen, da er seinen Körper von nun an für noch wesentlich unschöner hält, als er das vorher vielleicht bereits getan hat. Natürlich wird sich ein erfahrener Hypnotiseur solche groben Fehler nicht leisten; für den Anfänger stellen sie aber durchaus ein Risiko dar.


Diese Wunscherzeugung ist aber nicht auf die Hypnose selbst beschränkt.

Durch posthypnotische Befehle ist es möglich, den Hypnotisierten nach der Sitzung bestimmte Taten ausführen zu lassen. Dafür gelten die selben Kriterien wie für die Hypnose selbst: Sinnlose und ungewöhnliche Suggestionen werden durchaus ausgeführt, nicht aber solche, die der Persönlichkeit widersprechen.

Dabei wird meist mit einem Auslöser gearbeitet: Auf ein bestimmtes Ereignis hin soll die Versuchsperson eine bestimmte Aufgabe ausführen.

Wie schon im vorherigen Abschnitt beschrieben, werden hier große Bedürfnisse erzeugt. Interessant ist aber, daß der Hypnotisierte nicht weiß, daß diese Bedürfnis nicht sein eigenes ist. Er geht davon aus, daß dieser Wunsch schlicht und einfach seinem eigenen freien Willen entspringt. Deshalb erklärt er sein Tun oft auch durch Ausflüchte. Würde man einem Klienten beispielsweise suggerieren, er solle auf ein Händeklatschen des Hypnotiseurs hin auf dem Boden herumkrabbeln, so dürfte sich in etwa folgende Situation ergeben:


Welche Therapien können unter Hypnose angewandt werden?

Die Möglichkeiten sind beinahe unbegrenzt. Die Hypnosetheorie geht davon aus, daß das Unterbewußtsein den Körper steuert. Daraus folgt, daß mit Hilfe einer Steuerung des Unterbewußtseins selbst, wie sie unter Hypnose erfolgt, die gesamte Selbstheilungskraft und andere Funktionen des Körpers ausgeschöpft werden können. Tatsächlich sind auch unter wissenschaftlichen Testbedingungen schon erstaunliche Resultate geglückt. So konnte beispielsweise Kurt Tepperwein von einer Brustvergrößerung berichten, die er zum Beweis zunächst sogar nur einseitig durchführte. Weiterhin können die Krankheitsanfälligkeit chronischer Patienten und natürlich seelisch bedingte Leiden verringert oder sogar geheilt werden.

In bezug auf seelische Leiden kann die Hypnose vor allem als psychoanalytisches Werkzeug gute Dienste leisten. Mit ihrer Hilfe ist es möglich, traumatische Erlebnisse in der Vergangenheit aufzuspüren oder durch gelenkte Träume und die symbolhafte Bedeutung ihrer Bilder Aufschluß über den psychischen Zustand des Patienten zu erhalten.

Traumata und Ängste können dann auch sofort behandelt werden: Unter Hypnose ist es möglich, den Patienten erfolgreiche Bewältigungen seiner Ängste durchleben zu lassen, was zu einer Heilung führen kann. Durch reine Suggestionen können auch festgefahrene negative Gedankenmuster (zum Beispiel »Ich bin häßlich.« oder »Keiner mag mich.«) aufgehoben und durch positive ersetzt werden. Dies ist aber nur sinnvoll, wenn gleichzeitig die tatsächliche Ursache des Traumas mitbehandelt wird.

Schließlich kann die Hypnose auch zur Suchtbehandlung eingesetzt werden. Mit Hilfe geeigneter Suggestionen kann das Bedürfnis nach der Droge (zum Beispiel Alkohol oder Nikotin) stark herabgesetzt und so dem Süchtigen die Chance zur Entwöhnung gegeben werden.


Eine sehr interessante Sparte der Hypnose ist die Veränderung der Wahrnehmungen.

Ab einer mittleren Hypnosestufe ist es möglich, die Sinneswahrnehmungen des Hypnotisierten zu kontrollieren. Das geschieht zunächst ganz automatisch, da durch den Rapport eine totale Konzentration auf die Stimme des Hypnotiseurs stattfindet. Der Hypnotisierte hört außer ihr keine Geräusche mehr, weil die sonstige Umwelt in Bedeutungslosigkeit abgleitet. So berichtete eine meiner Versuchspersonen einmal, daß sie gegen Ende der Sitzung das Gefühl gehabt habe, meine Stimme entstehe in ihrem Kopf.

Zusätzlich können aber durch Suggestionen beliebige weitere Veränderungen vorgenommen werden. Die folgende Liste enthält einige Beispiele; sie kann je nach Phantasie des Hypnotiseurs natürlich beliebig erweitert werden:

Daß hier ungeheuer interessante Versuche möglich sind, ist klar. Dem Spieltrieb des Hypnotiseurs sind keine Grenzen gesetzt. Um negative Eindrücke zu vermeiden, sollten aber möglichst nur positive Suggestionen gegeben werden.

Natürlich ist die Wahrnehmungsbeeinflussung auf den Bereich beschränkt, in dem beim Hypnotisierten Vorstellungen möglich sind. Jeder Mensch ist hier auf unterschiedliche Weise begabt. Ist man beispielsweise ein visueller Typ, spricht man sehr gut auf optische Suggestionen an, während auditive Menschen vor allem Geräusche besonders real erleben.


In ähnlicher Weise kann auch auf das Wissen und die Erinnerung eines Klienten zugegriffen werden.

Folgendes kann dabei beispielsweise erreicht werden:

Wie alle anderen Suggestionen wirken diese Einflußnahmen aber zunächst nur einige Tage lang. Sie können durch sehr häufige Wiederholung in mehreren Sitzungen aber durchaus dauerhaft eingeprägt werden.

Natürlich wendet ein verantwortungsvoller Hypnotiseur diese Techniken höchstens zu experimentellen Zwecken an und spricht alles vorher mit seinem Klienten ab. Ein Mißbrauch ist aber natürlich vom Klienten schwer festzustellen; deshalb lassen viele Hypnotiseure auf Wunsch eine Cassette mitlaufen, die alle Ereignisse der Sitzung aufzeichnet. Gerade als vertrauensbildende Maßnahme kann dies auch positive Auswirkungen auf die Suggestibilität des Klienten haben.


Interessant ist auch, daß über die Hypnose eine totale Veränderung des Gemütszustandes möglich ist.

Durch einfach Suggestionen der Art »Sie fühlen sich jetzt sehr glücklich!« können direkt Gefühle erzeugt bzw. verhindert werden. Daher auch die Tatsache, daß man sich unter Hypnose so wohl fühlt: Die Einführung enthält normalerweise Suggestionen, die von einem »wunderbar angenehmen Ruhezustand« sprechen.

Aufgrund dieser Möglichkeit sind die Gefühle, die der Hypnotisierte beim Durchleben einer fiktiven Szene hat, steuerbar. Das ist wichtig, um beispielsweise den Patienten in der Hypnotherapie Angstszenen erfolgreich abschließen zu lassen oder einfach nur, um einem Freund einige wunderbar angenehme Minuten zu verschaffen.


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© 1996-2009 Christian Drechsler (hypnose@zottel.net)